Stimmungsschwankungen, Libidoverlust und Brain Fog gehören zu den am häufigsten unterschätzten Beschwerden in Peri- und Postmenopause. Bis zu 70 % der Frauen erleben depressive Verstimmung, 40–55 % berichten über deutlichen Libidoverlust. Östradiol, Progesteron und Testosteron beeinflussen Serotonin-, Dopamin- und GABA-System direkt.
Eine fundierte Diagnostik umfasst weit mehr als einen Hormonwert. Wir erheben Östradiol, Progesteron, Testosteron, SHBG, DHEAS, Prolaktin und Schilddrüsenparameter, ergänzt um Vitamin D, B12, Ferritin und Omega-3-Index. Ziel ist die saubere Differenzierung: hormonell, primär psychisch oder somatisch.
Therapeutisch steht die Hormontherapie mit bioidentischem Östradiol und mikronisiertem Progesteron an erster Stelle, wenn die Diagnostik eine hormonelle Ursache nahelegt. Auch bei Brain Fog kann eine leitliniengerechte HRT kognitive Stabilität spürbar verbessern — sie ersetzt keine Psychotherapie, bringt aber bei hormonell mitbedingter Symptomatik substanziellen Nutzen.
Bei Libidoverlust und HSDD prüfen wir gezielt einen Testosteronmangel. Eine niedrigdosierte transdermale Testosterontherapie ist in Deutschland off-label, international jedoch bei nachgewiesenem Mangel empfohlen. Vaginale Trockenheit und Dyspareunie sind häufige Ursachen — eine lokale Östrogentherapie regeneriert die Schleimhaut zuverlässig.
Stimmung, Sexualität und Kognition sind komplex. Deshalb arbeiten wir interdisziplinär: Hormontherapie, Sexualmedizin, Psychotherapie und Psychosomatik werden bei Bedarf vernetzt. Lebensstilfaktoren sind kein Ersatz für eine indizierte Behandlung, aber ein wirksamer Hebel.