Gesundheitswissen

Gestagen

Gestagene sind synthetisch hergestellte Gelbkörperhormone. In ihrer Wirkung ähneln sie dem körpereigenen Gelbkörperhormon Progesteron. Progesteron wird deshalb häufig auch als körpereigenes Gestagen bezeichnet. Therapeutisch angewendet werden sie zur Schwangerschaftsverhütung sowie im Rahmen von Hor

zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2026

Gestagen

Gestagene sind synthetisch hergestellte Gelbkörperhormone. In ihrer Wirkung ähneln sie dem körpereigenen Gelbkörperhormon Progesteron. Progesteron wird deshalb häufig auch als körpereigenes Gestagen bezeichnet. Therapeutisch angewendet werden sie zur Schwangerschaftsverhütung sowie im Rahmen von Hormontherapien.

Was ist Gestagen?

Östrogene und Gestagene sind die wichtigsten weiblichen Geschlechtshormone. Sie gehören zu den Steroidhormonen. Nach ihrem Entstehungsort im Gelbkörper (Corpus luteum) werden Gestagene auch als Gelbkörperhormone bezeichnet. Nach dem Eisprung bildet sich aus den verbliebenen Zellen der Eihülle im Eierstock der sogenannte Gelbkörper. Seine Aufgabe besteht darin, Progesteron und andere Gestagene zu produzieren.

Natürliches Gelbkörperhormon wird nach oraler Einnahme in der Leber sehr schnell abgebaut und über die Nieren ausgeschieden. Für eine therapeutische Verwendung ist es daher ungeeignet. Aus diesem Grund wurden synthetische Gestagene entwickelt, die eine längere Halbwertszeit besitzen. In der Frauenheilkunde kommen sie allein oder in Kombination mit Östrogenen zum Einsatz.

Wie wirkt das Gelbkörperhormon?

Gestagen wirkt im Körper vor allem im Zusammenspiel mit Östrogen. Wirkungsentscheidend ist daher das Verhältnis dieser beiden Hormone zueinander. In erster Linie wirken Gestagene auf die weiblichen Geschlechtsorgane ein. Im Fokus steht dabei die Transformation der Gebärmutterschleimhaut oder des sogenannten Endometriums im Verlauf des Zyklus. Hierdurch entfalten Gestagene eine schwangerschaftserhaltende Wirkung. Beispielsweise beeinflussen sie die Beschaffenheit des Zervikalsekrets sowie des Milieus in den Eileitern und im Uterus. Hierdurch nehmen sie Einfluss auf den Transport der Eizelle und auf die Fähigkeit der Spermien zur Befruchtung.

Wie wird Gestagen therapeutisch eingesetzt?

Zu den wichtigsten Anwendungsgebieten von Gestagen gehört die orale Kontrazeption. In Anti-Baby-Pillen kann es isoliert oder zusammen mit Östrogen zum Einsatz kommen. Weitere Anwendungsbereiche sind die Behandlung von Menstruationsstörungen sowie Hormonersatztherapien in den Wechseljahren.

Wie wird Gestagen in den Wechseljahren angewendet?

Ebenso wie zur oralen Schwangerschaftsverhütung wird Gestagen zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden im Rahmen einer Monotherapie oder einer kombinierten Östrogen-Gestagen-Therapie verwendet.

Im ersten Stadium der Wechseljahre – der sogenannten Perimenopause – kommt es in der zweiten Zyklushälfte zu einer verstärkten Ausbildung von Östrogen und einem Mangel an Progesteron. Zu den Folgen der Östrogendominanz gehören Hitzewallungen, Blutungsstörungen sowie ein starkes Spannungsgefühl in den Brüsten. Gestagen-Gaben können diese Symptome der Wechseljahre lindern oder zum Verschwinden bringen. Der wichtigste Effekt des Gestagens besteht in dieser Phase darin, einen durch das Östrogen bewirkten zu hohen Aufbau der Gebärmutterschleimhaut zu verhindern und eine komplette Abbruchblutung zu bewirken. Gleichzeitig wird durch Gestagen die Produktion von Östrogen gedrosselt. Vor allem nach der Menopause beugt Gestagen Hyperplasien – einer übermäßigen Zellvermehrung – des Endometriums vor. Durch eine Kombinationstherapie mit Gestagenen und Östrogen wird das Risiko für Karzinome der Gebärmutterschleimhaut deutlich reduziert.

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